Vom Glück zu arbeiten

Wie wird es mit der Arbeit weitergehen? Wird Arbeit immer knapper und globalisierter, wird sie prekärer und dabei für den Einzelnen immer unsicherer? Oder sorgt der demographische Wandel dafür, dass die Arbeitskräfte rar werden und die Qualität der Arbeit spürbar steigt? Wird es uns gelingen, Arbeit in unserer nachindustriellen, wissensbasierten Marktwirtschaft sinnvoll zu gestalten, sie auf mehr Schultern zu verteilen und bei allem verständlichen Streben nach Erfolg auch an das Gemeinwohl zu binden?

Diese Fragen stellt Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit in seinem Vorwort zu einem sehr interessanten Buch: Vom Glück zu arbeiten. Die Autoren sind Clemens Brandstetter und Johannes Czwalina.

Das Buch ist deshalb so interessant, weil es Gedanken(spiele) enthält, die, so denke ich, viele von uns in sich tragen, vielleicht nur ahnen, dass etwas in Sachen Arbeitswelt nicht ganz stimmig ist, dass sich etwas ändern sollte oder muss, gerade weil Arbeit eine so große Bedeutung für das eigene Wohlbefinden des Einzelnen und einer Gesellschaft hat. Nicht nur sollte sie ein gewisses materielles Auskommen einbringen, sondern auch ein Gefühl der Anerkennung und der Sinnerfüllung. Vor allem in der Wissensgesellschaft wird das von den Menschen verlangt. Nichtsdestotrotz: die Diskussion wird nicht geführt. Okay, Burn-out, Stressmanagement, das sind Themen. Allerdings bleibt die gesellschaftliche Perspektive außen vor. Angesetzt wird beim Einzelnen und der Unternehmensführung.

Bei aller Freude, die die Arbeit bringen kann, etwas läuft aber aus dem Ruder, etwas, dass alle betrifft.

Die einen sind gestresst wegen Überarbeitung und Angst, ihre Erwerbsarbeit zu verlieren, und die anderen, weil sie keine bezahlte Arbeit mehr finden. Die Frage der materiellen Effizienz, der Finanzierbarkeit, der Gewinnmaximierung verdrängt die Frage nach der Erfüllung.

Die Arbeit muss wieder stärker mit dem gesamten Leben harmonisieren.

Wir müssen unsere Arbeits- und Erwerbsgesellschaft wieder stärker in unsere Lebenszusammenhänge einbinden; wir müssen wieder klar machen, wer der Herr und wer der Diener ist: Der Markt ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Markt.

Bei allen Anforderungen einer Arbeitswelt, die immer rasanter wird, darf die Würde des Menschen nicht aus dem Auge verloren werden. Für den Einzelnen stellt sich mehr und mehr die Aufgabe, weiter Gestalter seines eigenen Lebens zu bleiben.

Das Buch traut sich eine „lebensdienliche Ökonomie zu skizzieren“ nachdem die Entwicklungen und Trends der Arbeitswelt beschrieben wurden. Vor allem wird an den Einzelnen appelliert, sich persönlich mit dem Thema Arbeit auseinanderzusetzen. Denn:

Die großen Weltveränderungen beginnen immer in der Seele des Einzelnen.

Bemerkenswert an dem Buch finde ich insbesondere, dass die Autoren sich nicht nur mit den Menschen beschäftigen, die Arbeit haben, sondern auch mit denen, die keine Arbeit haben. Ich bin überzeugt, dass wir alle uns verstärkt darüber Gedanken machen müssen, wie wir die Arbeitsgesellschaft als Ganzes gestalten. Ihre Spaltung ist unübersehbar und sie wird weitreichende Folgen haben. Eine Frage wird insbesondere sein: Wie kann die Anerkennung von (ehrenamtlicher) Arbeit erhöht werden, die nicht am Markt nachgefragt wird, aber für die Gesellschaft enorm wichtig ist?

Ein lesenswertes Buch, das inspiriert und sich keine Denkverbote auferlegt.

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