Samstagsarbeit wird Alltag – na und?

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Jetzt ist Schluss mit „Wochenend und Sonnenschein“ und am Samstag ein lustiges Lied trällern vor lauter Müßiggang, damit ist es auch vorbei. Das Abendland geht nämlich jetzt unter. Denn immer mehr Beschäftigte müssen samstags arbeiten. Die Süddeutsche titelte am Samstag zum Beispiel: „Samstagsarbeit wird Alltag“. Obgleich  es im Text heißt, dass es laut Statistisches Bundesamt nur ein Viertel sind, die regelmäßig am Wochenende arbeiten (1996: 18,8 Prozent). Ich finde nicht, dass die Zahl besorgniserregend klingt. Schließlich will doch jeder auch am Samstag einkaufen gehen und findet es gut, wenn die Polizei sich an diesem Tag blicken lässt, wenn man überfallen wird.

Das Arbeitszeiten-Thema war der SZ-Aufmacher an dem Tag, was zeigen soll: Es wird wirklich ernst. Der dazugehörige Kommentar hat die Überschrift „Fünf Tage sind genug“.

Ich persönlich finde fünf Tage auch genug, wenn man 40 Stunden und mehr arbeitet. Aber müssen es Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag sein? Es ist ja nicht so, dass die Menschen einen vollen Tag mehr arbeiten. Denn die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt bei den Vollzeitjobs 40,7 Stunden pro Woche und damit 40 Minuten mehr als Mitte der 90er Jahre. Der Mittelwert in der EU beträgt 40,4. Also kein Grund hysterisch zu werden und schon gar nicht, die olle DGB-Kampagne „Samstags gehört Vati mir“ hervorzukramen (mit diesem Gedanken spielt zumindest Annelie Buntenbach vom DGB. Selbstverständlich würde sie dann lauten: „Samstags gehören Vati und Mutti mir“).

Mehr Differenzierung würde der Diskussion gut tun. Beispielsweise ist nicht jeder Arbeitnehmer ein willenloses Opfer, das nur ausgebeutet wird. Viele Qualifizierten arbeiten gerne (auch mal am Wochenende) und haben durchaus Verhandlungsmacht. Es stimmt, dass sie sie zu wenig nutzen, oftmals aus Angst, die Karriere zu gefährden.

Andere werden von Gewerkschaften vertreten. Die ein oder andere Samstagsarbeit dürfte von Betriebsräten bzw. Gewerkschaften abgesegnet sein. Womit ein Aufschrei des DGB etwas Heuchlerisches hat. Natürlich gibt es auch diejenigen, die weder eine Gewerkschaft im Rücken haben noch gut qualifiziert sind und die werden oftmals (leider) vom Arbeitgeber lediglich als Manövriermasse gesehen.

Klar ist aber: Die Arbeitswelt ändert sich und zunehmende Flexibilität werden  Beschäftgte und Arbeitgeber leisten müssen. Dann heißt es vielleicht mal: Statt Mittwoch Samstag arbeiten. Oder man nimmt sich den Dienstagnachmittag frei, um Besorgungen zu machen. Die Arbeit wird nachgeholt, vielleicht (O Gott) am Samstag. Das ist für Selbstständige ganz normal. Auch Angestellte werden mehr und mehr wie Selbstständige agieren müssen. Sie werden Unternehmer in eigener Sache. Das kann eine Chance sein, mehr Gestaltungsraum im Job zu bekommen. Und das erhöht tendenziell die Arbeitszufriedenheit. Gleichzeitig nehmen Risiko und Unsicherheiten zu. Eine solche Arbeitswelt kann man natürlich schlecht finden. Doch man sollte diese Entwicklung akzeptieren, so wie das Wetter.

 

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