Verschiedene Richtungen

Walk

Der deutsche Arbeitsmarkt erlebte 2012 ein gutes Jahr.  Knapp 2,9 Millionen Menschen waren ohne Beschäftigung – so wenig wie zuletzt 1991.

Das Beste was man tun kann, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden, ist in Bildung zu investieren, sagen Experten. Bei Akademikern ist die Arbeitslosenquote gering. Dennoch gibt es auch das: arbeitslose Menschen, die nicht nur studiert, sondern sogar ihren Abschluss gemacht und zudem Berufserfahrung haben. Jung, gut ausgebildet und trotzdem arbeitslos. Und das trotz etwa 90 Bewerbungen.

Diesen Menschen ist es kein Trost, dass nur wenige Akademiker arbeitslos sind. Im Gegenteil: Sie fühlen sich erst recht schlecht und minderwertig, weil das ja wohl nicht sein kann: arbeitslos und Hochschulabschluss und dann in diesen Zeiten.

Gleichzeitig erleben wir das Phänomen des Fachkräftemangels. Oft genannt, ich weiß. Ich kann das Wort eigentlich auch nicht mehr hören. Doch in vielen Sparten und Regionen gibt es den tatsächlich. Oder anders gesagt: Die Firmen müssen sich jetzt mehr anstrengen, qualifiziertes Personal zu bekommen. In den Weihnachtsfeiertagen habe ich zum Beispiel mit einem Bekannten gesprochen, der mir erzählt hat, dass die Firma für die er arbeitet, händeringend Elektrotechniker sucht. Weil sie nicht genug erfahrene findet, muss sie mit Selbständigen zusammenarbeiten.

Vielleicht sollte die Firma meines Bekannten ein bisschen aktiver werden. Jedenfalls erleben wir aufgrund des Fachkräftemangels  die Rollenveränderung der Recruiter. Sie werden aktiver. Die Tage, als nur Stellenanzeigen aufgegeben wurden und man dann gewartet hat, was reinkommt, scheinen vorbei. Die Rolle ändert sich grundlegend. Plötzlich fangen sie an Kandidaten direkt anzusprechen, tummeln sich in Netzwerken und speziellen Fachforen und versuchen gar so was wie Talent-Pools aufzubauen. Klar, das ist noch eine Minderheit. Aber der Trend ist da. Über diesen hat der Human Resources Manager einen Artikel geschrieben. Ein völlig neues Selbstverständnis zeigt sich da bei den Recruitern.

Und dann wird um die Guten gebuhlt. Das Unternehmen muss sich bei den Top-Kandidaten von der besten Seite zeigen. Und ansprechende Benefits liefern, ein ordentliches Gehalt sowieso.

Was aber, wenn man trotz vermehrter Anstrengungen niemanden findet? Vielleicht selbst ausbilden? Jemanden von den drei Millionen Arbeitslosen nehmen, der nicht so richtig passt, der jedoch Voraussetzungen mitbringt, auf denen man aufbauen könnte? Eine Möglichkeit? Vielleicht. Sicherlich nicht in allen Fällen möglich. Zumeist fehlt es den Unternehmen an der nötigen Zeit.

Die Spaltung der Arbeitsgesellschaft wird größer werden. Und sie verläuft meiner Meinung nach nicht zwangsläufig zwischen Qualifizierten und Unqualifizierten. Denn es gibt auch Akademiker, die nicht unbedingt gebraucht werden. Niedriglöhner – das geht ebenfalls als Uni-Absolvent.

Die fachliche Ausrichtung spielt eine Rolle, ist jedoch nicht entscheidend. Wichtiger ist meines Erachtens Lernfähigkeit, der Wille und die Bereitschft sich zu verändern und so was wie Empathie und soziale Kompetenz. Natürlich wird aus einer Germanistin keine Elektrotechnikerin. Aber auch für Germanisten gibt es noch Nischen, die es zu besetzen gilt. Es gilt offen zu sein für Neues. Projekte finden sich immer, bei denen man sich zumindest beweisen kann für den darauffolgenden Job. Einfach ist es nicht.

Der demografische Wandel mag vielen Arbeitnehmern und Jobsuchenden in die Hände spielen. Wenn jedoch jemand so gar nicht auf eine zu vergebene Stelle passt, dann kann er eben auch nicht eingestellt werden.

(Foto:kai-photographie)

 

 

 

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.