Nehmt Sie ernst, die Kultur

Alle reden von Digitaler Transformation. Wichtig ist sie allemal. Doch der Blick sollte zuerst auf die Unternehemnskultur gerichtet werden.

Jedes Unternehmen hat eine Kultur. Auch wenn niemand daran arbeitet, sie in keinem Strategiepapier erwähnt wird, sie in keinen Überlegungen eine Rolle spielt – sie ist
da. Und sie zeigt sich überall: in der Art, wie Mitarbeiter miteinander sprechen, wie sie E-Mails schreiben, wie Projekte angegangen oder Entscheidungen im Unternehmen getroffen werden, all das hat mit Kultur zu tun. Und wenn sie stark ist, kann sie zum Beispiel der entscheidende Grund sein, warum sich ein Talent für einen Arbeitgeber entscheidet, und entschlossen bekennt: „I love you, too.“
Im Oktober 2013 schickte der CEO von Airbnb, Brian Chesky, eine E-Mail an seine Mitarbeiter, in der er ankündigte, dass das nächste Team-Meeting „zentrale Werte“ als Thema haben werde. Die Überschrift der E-Mail lautete: „Don’t fuck up the culture“. Die Mail ist ein Plädoyer gewesen, Unternehmenskultur wichtig zu nehmen, weil sie das Fundament einer Firma ist. Und eine starke Kultur, so schreibt Chesky, sei der Nährboden für Innovationen. „Je stärker die Kultur, desto weniger festgeschriebene Geschäftsprozesse braucht ein Unternehmen. Wenn die Kultur stark ist, dann kann man jedem vertrauen, dass er das Richtige tut. Menschen können unabhängig und autonom sein. Sie können Entrepreneure sein. Und wenn wir ein Unternehmen sind, in dem man wie ein Entrepreneur denkt und handelt, dann werden wir in der Lage sein, Bahnbrechendes zu schaffen.“

Flexibilität ist ebenfalls wichtig

Unternehmenskultur galt lange Zeit als weiches Thema, um das man sich kümmern kann, aber nicht muss – ein „nice to have“. Doch das ändert sich. Schon in den 90er Jahren konnten die Harvard-Professoren John Kotter und Jim Heskett zeigen, dass Firmen mit einer stark ausgeprägten Kultur auch überdurchschnittliche Gewinne erzielen.

Doch eine stark ausgeprägte Kultur allein, ist heute zu wenig beziehungsweise kann sie auch schaden, weil sie Veränderungen erschwert. Kultur muss auch flexibel sein können. Die Lust am Wandel sollte zu den gelebten Werten gehören.
Die vielen deutschen Manager, die  an die amerikanische Westküste pilgern, um von Google und Co. zu lernen, wollen weniger wissen, wie man Algorithmen schreibt, sondern wie Innovationen heutzutage gelingen. In dem Buch „Silicon Valley“ von Christoph Keese, Manager bei Axel Springer, kann man nachlesen, dass manches Rezept zumindest nicht schwierig klingt: „Alle Firmen, die ich besuche, legen Wert auf Dichte. Physische Nähe, glauben sie, ist so wichtig wie die Abwesenheit allzu strenger Regeln. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso wie steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konventionen.“
Menschen brauchen Freiraum, sie sollten Vertrauen spüren, Veränderungen nicht als Gefahr sehen und in Netzwerken denken und handeln. Eine solche Kultur ist die Basis für wirtschaftlichen Erfolg.

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