Henri Ensio

Unzufrieden mit Uniabsolventen

Zu angepasst, zu wenig persönliche Reife, kaum Selbstreflexion: Die Kritik der Unternehmen an der Beschäftigungsfähigkeit von Hochschulabsolventen besteht seit die ersten Studierenden nach der Bologna-Reform die Hochschulen verließen.

Dabei war es die Wirtschaft, die schnellere Abschlüsse damals forderte. Nun wird aus der Ernüchterung langsam Verzweiflung, denn immer mehr wird bei Mitarbeitern eigenverantwortliches Arbeiten verlangt. Gerade die Digitalisierung macht Selbstorganisation und Veränderungsbereitschaft so dringend nötig. Die Kluft zwischen den Anforderungen der Wirtschaft und den Zielen der Hochschulausbildung scheint aber eher größer zu werden.

Laut der aktuellen Randstad-ifo-Personalleiter-Befragung ist die Zufriedenheit mit der Ausbildung bei 32 Prozent der Befragten gesunken, nur bei zwei Prozent ist sie gestiegen.
Bei der Umfrage ging es konkret um die Uniabsolventen, die die Unternehmen eingestellt haben und damit kennen. Am häufigsten gaben Personalleiter in großen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern an, die Ausbildung der Hochschulabsolventen habe sich verschlechtert. Dabei ist auffällig: Bei Unternehmen, die am häufigsten Bachelor- oder Masterstudenten beschäftigen, ist die Zufriedenheit häufiger gesunken als bei anderen Abschlüssen wie Diplom oder Staatsexamen. Den Master-Abschluss sehen die Befragten besonders kritisch. Bei Unternehmen, die vorwiegend Master-Absolventen eingestellt haben, sagten 42 Prozent die Zufriedenheit mit dem Leistungsniveau sei gesunken. Die größten Defizite sehen die Personalleiter bei der Selbstständigkeit, der Problemlösungskompetenz, dem Abstraktionsvermögen sowie der Allgemeinbildung. Zudem schätzen sie die Ausbildung an Universitäten als zu verschult ein.

Die Bologna-Reform ist eine Geschichte voller Enttäuschungen. Denn auch die Studierenden sind unzufrieden, zumindest fühlen sie sich gestresster als der Durchschnitt der Bundesbürger. Die Geschwindigkeit im Studium hat zugenommen. Prüfungsangst und der eigene Erwartungsdruck belasten viele der jungen Männer und Frauen. Jedoch mangelt es vielen der Studierenden häufig an der Fähigkeit mit Stress umzugehen. Und das ist in der heutigen Arbeits- und Wirtschaftswelt eine ganz besonders wichtige Kompetenz.


Die in Zusammenarbeit von Randstad und dem ifo-Institut entwickelte Randstad-ifo- Personalleiterbefragung zeigt die langfristige Bedeutung und Funktion von Flexibilisierung im Personaleinsatz. Dazu werden vierteljährlich mehr als 1.000 Personalleiter befragt.

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