Die 10 meistgelesenen Sätze von oder über HR

Kennen Sie das? Sie lesen oder hören einen Satz und denken: Schon wieder, schon wieder dieser Satz über Personaler, Führung oder Organisationen – auf einer Tagung, auf einem Kongress, auf Twitter oder Facebook oder in einem Gespräch. Mir erging es manchmal so in meiner Zeit als Chefredakteur des Human Resources Manager. Weshalb ich irgendwann mal eine Liste anlegen musste: Die Top 10 der meistgelesenen beziehungsweise meistgehörten Sätze von oder über HR. Natürlich super subjektiv. Was sind für Sie die häufigsten Aussagen? 

In der HR-Community gibt es einige dieser Sätze, die immer und immer wieder geschrieben oder gesagt werden. Ich will mich aber nicht lustig machen und von abgedroschenen Phrasen sprechen. Im Gegenteil. Die meisten dieser Sätze sind absolut richtig und wahr (in meinen Augen) und ich verwende viele von ihnen selbst. Aber es tut doch auch mal ganz gut, sich selbst bewusst zu machen, dass manches dann doch schon einmal erwähnt wurde. Gerade in den sozialen Netzwerken liest man ja immer wieder über ähnliche Themen und dann auch ähnliche Aussagen. Aber alles nicht schlimm. Hier kommen (mit einem Augenzwinkern) die 10 meistgehörten beziehungsweise meistgelesenen Sätze von oder über HR.

1. „HR muss mehr Gestalter und weniger Verwalter sein“
Wenn Sie in der HR-Community unterwegs sind, werden Sie mir zustimmen, dass dieser Satz zu den absoluten Klassikern gehört. Schon in meinem ersten Jahr beim Human Resources Manager wurde ich damit mehrmals konfrontiert beziehungsweise mit dem Pendant „HR muss strategischer werden.“ Darin steckt die Hoffnung auf eine gute Zukunft (wenn der Satz von einem Personaler kommt) oder der Versuch eines Wachrüttelns beziehungsweise ein Beratungsmandat zu bekommen (wenn er von anderer Seite kommt). Der verstorbene Präsident des Bundesverbands der Personalmanager, Joachim Sauer, hat in seinem ersten Interview mit unserem Magazin stolz und trotzig gesagt: „Wir sind Manager“, womit er genau den obigen Satz meinte. Später allerdings betonte er immer wieder, dass zunächst mal die Administration stimmen muss, die ganz einfachen Dienstleistungen, bevor man sich als Personaler aufmacht, strategisch gestalten zu wollen. Viele haben diese Aussage damals kritisiert.

2. „Der Manager als Held/Supermann/Leitwolf/Alleskönner ist ein Auslaufmodell“
Ungelogen: In Essays und Artikeln rund um Leadership habe ich diesen Satz am häufigsten gelesen. Und ich denke, dass er für fast alle Unternehmen stimmt: Führung konzentriert sich zunehmend nicht mehr nur auf eine Person, sondern verteilt sich auf mehrere Köpfe. Obgleich: Charismatic Leadership ist noch nicht tot und ein bisschen hat die charismatische Führung ja was Heldenhaftes.

3. „Die Zeit von Command and Control ist vorbei/“Führungskräfte müssen lernen loszulassen“
Auch das kann man oft lesen: Eine Führung, die nur geprägt ist von Ansagen und engmaschigen Kontrollen passt nicht mehr in die Zeit. Mitarbeiter wollen Freiraum. Nichtsdestotrotz ist Command and Control gar nicht so selten in manchen Branchen, aber eben gesellschaftlich verpönt. Dass Führungskräfte gerade in wissensintensiven Bereichen lernen müssen, loszulassen und zu vertrauen, ist sicherlich richtig. Aber ganz sicher ist auch, dass Hierarchie und schon gar nicht Führung obsolet werden. In Organisationen müssen Entscheidungen getroffen werden und manchmal trifft sie einer alleine, am besten allerdings gut begründet beziehungsweise transparent.

4. „HR muss das Business verstehen“
Diesen Satz habe ich nicht nur oft gelesen, sondern selbst schon sehr oft geschrieben. Diese Forderung, die seit Jahren immer wieder zu hören ist, bringt für mich am besten das Dilemma auf den Punkt, in dem viele Personalabteilungen stecken. Wenngleich ich volles Verständnis habe, wenn zwei Personaler, die ein 300-Mann-Unternehmen komplett alleine betreuen, nur müde lächeln, wenn sie die Aussage hören. Da geht es dann halt darum, einfach den Kern-Service irgendwie hinzubekommen.

5. „Der Mensch steht (bei uns) im Mittelpunkt“
Diesen Satz wiederum habe ich nie geschrieben und ich musste auch immer schmunzeln, wenn mir ein Personaler das gesagt hat. Zugegeben: Man liest und hört ihn nicht mehr ganz so oft, vielleicht noch in manchen Personalmarketing-Kampagnen. Vor nicht allzu langer Zeit aber wurde er von Personalern gerne auch in Gesprächen und Vorträgen geäußert. Und das völlig ohne Ironie! Mittlerweile ist die Aussage zum Klischee verkommen. Zu inflationär wurde sie von politischen Parteien und gesundheitlichen Einrichtungen verwendet. Ohnehin ist der Satz in einem modernen, leistungsorientierten Unternehmen irgendwie fehl am Platze, denn er impliziert zum einen das Bild eines Menschen, der Fürsorge braucht und zum anderen, dass es Alternativen gibt: „Nein, bei uns steht der Mensch nicht im Mittelpunkt.“ In einer wissensintensiven Arbeitswelt ist der Mensch natürlich der entscheidende Erfolgsfaktor. Aber als jemand, der von sich aus Verantwortung übernimmt. Gerade weil viele Herausforderungen für Organisationen nicht vorhersehbar sind, sind es die Personen, die den Unterschied machen.

6. „Digitale Transformation ist mehr eine Frage der Kultur und weniger eine der Technologie“
Diese Aussage ist noch relativ neu und dürfte eventuell noch nicht von allzu vielen Personalern und Geschäftsführern verinnerlicht worden sein. In den sozialen Netzwerken, in denen ich mich tummle, begegnen mir Sätze wie dieser mittlerweile recht häufig. Und ich würde diese Aussage voll unterschreiben: Veränderungs- sowie Lernbereitschaft als auch die Fähigkeit eigenverantwortlich zu agieren und mit anderen im Team arbeiten zu können, sind zuallererst wichtige Kompetenzen, die Führungskräfte und Mitarbeiter mitbringen sollten heutzutage. Es braucht Freiräume und eine Führung, die loslassen kann 🙂 Und da kann HR eine Menge tun – vor allem mit gutem Beispiel vorangehen.

7. „Personalarbeit bedeutet vor allem, die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen“
Wie bringt man eigentlich der eigenen Mutter näher, was die wichtigste Aufgabe der Personalabteilung ist – und das möglichst kurz und wenig kompliziert formuliert? Dafür bietet sich dieser Satz an. Er ist prägnant und seine Aussage leuchtet ein. Er ist nicht allzu verbraucht, sodass man bei vielen Zuhörern damit noch punkten kann. Dennoch liest man ihn immer wieder. Es soll klargemacht werden: Egal wie viel Digitalisierung da kommt, die Kernaufgabe bleibt die gleiche. Mit der Aussage wird vor allem auf die Königsdisziplin, die strategische Personalplanung, abgezielt. Wenn Personaler in einem Unternehmen in der Lage sind, diese zufriedenstellend hinzubekommen, brauchen sie sich wegen des Standings keine Sorgen zu machen. Doch das ist eher die Ausnahme. Dafür sind viele Geschäftsfelder zu schnelllebig, HR zu weit weg und mit zu wenig Ressourcen ausgestattet.

8. „Wir arbeiten jetzt agil“
Ich bin ja ein großer Freund des agilen Arbeitens, meine Hausaufgaben während des Studiums und meine Artikel bei der Tageszeitung, wo ich einst arbeitete, waren sozusagen Minimum Viable Products (MVP). Es galt das Motto: „Done is Better than Perfect“ 🙂 Natürlich ist agiles Arbeiten viel mehr. Und dennoch wird der Begriff inflationär benutzt – auch von Personalern. Es gibt kaum ein Unternehmen mehr, das sich nicht als agil bezeichnen würde.
In jedem Fall mag ich die Haltung, die hinter der agilen Idee steht, die zum Beispiel geprägt ist von gegenseitigem Respekt und Selbstverantwortung. In der Praxis werden allerdings häufig nur die Methoden eingesetzt, ohne jedoch einen Wandel bei Kultur und Strukturen zuzulassen. Und selbst die Methoden werden zum Beispiel im Projektmanagement in einer hybriden Form angewendet. Nichtsdestotrotz: Der Wandel ist eingeläutet.

9. „Bei uns steht der Spaß an der Arbeit im Vordergrund!“
Schaut man sich Posts auf Blogs und in sozialen Netzwerken rund um diverse Firmenveranstaltungen an, scheinen alle eine Menge Spaß in ihrem Job zu haben. Wer heute Wissensarbeiter ist und sagt, er mache seinen Job nur, um Geld zu verdienen, stößt auf Unverständnis. Selbst viele Personaler haben mittlerweile ihren Spaß 🙂 In der Tat denke ich, dass eine moderne Führung, die Freiräume lässt und Wertschätzung lebt, sowie der Trend, mehr die kollektive Intelligenz einzubeziehen, tendenziell mehr Freude in Organisationen bringt.

10. „Die Umwelt wird komplexer. Alles ist VUCA!“
Ich habe gerade ein Buch fertig geschrieben, in dem ich selbst gefühlt 147 Mal den Satz mit der komplexer werdenden Umwelt aufs Papier gebracht habe. Und in meinem letzten Jahr beim Human Resources Manager wurden die Fremdautoren gebeten, ihren Beitrag nicht mehr mit VUCA anzufangen. Alles war nur noch VUCA. VUCA fasst alle Herausforderungen für die Unternehmen wunderbar zusammen. Und auf Tagungen und Kongressen muss man das kleine Wörtchen nur kurz erwähnen und alle nicken wissentlich. Das Akronym hat sich in der HR-Community durchgesetzt. Wahrscheinlich gibt es auch nicht viele, die die Langversion „Volatility, Uncertainity, Complexity, Ambiguity“ sofort unfallfrei aufsagen können. VUCA ist ein Buzzword, das in jedem Fall in das Repertoire jedes Personalers gehört, der was vom Business versteht 🙂

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