Archiv der Kategorie: Buchempfehlung

Sieben Schritte auf dem Weg zu mehr Collaboration

Die Umwelt, in der Unternehmen sich bewegen, wird immer komplexer. Innovation, Produktentwicklung, Zusammenarbeit und Führung brauchen mehr denn je Vernetzung. Was kann eine Personalfunktion, die sich als Arbeitsweltengestalter versteht, tun, damit eine bestmögliche bereichsübergreifende Collaboration im eigenen Unternehmen – und darüber hinaus –  stattfindet? Hier sind 7 (mögliche) Schritte zu einem HR, das unter anderem die Rolle als Vernetzer annimmt:

Weiterlesen

Die Sehnsucht nach einer anderen Art der Arbeit

Bücher

Erstaunlich finde ich das schon: Wir sprechen derzeit permanent über digitalen Wandel, digitale Transformation, Big Data und Social Media und trotzdem erscheinen immer noch verdammt viele Bücher in Papierform. Selbst die Bücher, die sich mit Digitalisierung auseinandersetzen, erscheinen immer auch klassisch zwischen zwei Buchdeckeln. Ganz so erstaunlich ist es vielleicht aber auch nicht. Ich selbst bevorzuge ebenfalls die analoge Variante, wenn ich viel lesen muss. So einige analoge Bücher sind zuletzt über mein Schreibtisch gewandert. Und weil da ziemlich gute dabei sind, dachte ich mir, ich empfehle mal ein paar hier.

Hier kommt also meine derzeitige absolut subjektive Hitliste an Büchern rund um Arbeit und Organisation:

Weiterlesen

Die Armut hat viele Gesichter

latte macchiato

Es klingt erstrebenswert: In der Arbeit Erfüllung finden, das tun, was einem Spaß macht, etwas,  hinter dem man steht, ausprobieren und gleichzeitig frei sein, nicht eingezwängt in einer Hierarchie. Mit anderen Worten: Ideale haben und sein Leben danach ausrichten, Arbeit inbegriffen.  Viele der heute 30- bis Mitte 40-Jährigen, die in der Großstadt leben und sich den Kreativen zugehörig fühlen, gehen diesen Weg und manchen geht es richtig gut – materiell gesehen – für viele jedoch ist es der pure Kampf ums Überleben – die blöde Sache mit dem Geld, die ganzen Rechnungen, Essen, Trinken, mal Weggehen.

Katja Kullmanns Buch Echtleben erzählt, wie schwer das ist mit der Selbstverwirklichung. Armut hat heute viele Gesichter und sie zeigt sich eben auch bei Akademikern, nicht selten haben sie Geschichte, Germanistik oder Kommunikationswissenschaften studiert und arbeiten nun als freischaffende Irgendwas, häufig irgendwas mit Medien. Sie sind Publizisten, Schauspieler, Berater, etc. Vor allem sind sie Überlebenskünstler, die keine Lust haben, sich solange selbst zu optimieren, bis sie 1a für den Arbeitsmarkt geeignet sind. Sie wollen ja sowieso frei sein, wenngleich das, was sie anbieten, eine Menge andere ebenfalls anbieten.

Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, warten auf Aufträge und darauf, dass der Auftraggeber endlich bezahlt. Es geht hoch und runter und ab und an sitzt man bei der ARGE und hört von der Sachbearbeiterin: Sie brauchen sich nicht zu schämen (Von ihrem ersten Arbeitsagentur-Besuch erzählt Kullman sehr schön in ihrem Buch).

Der Preis der Freiheit, er kann sehr hoch sein. Vor allem, wenn man sich partout „nicht verbiegen“ will. Im Kontrast zu dieser Schonungslosigkeit von Kullmann stehen Bücher wie Meconomy von Markus Albers.

Auch Albers will die Freiheit, keinen Meetingterror und keine Fremdbestimmung mehr. Doch er betont die Chancen der Selbstständigkeit, ein durch und durch optimistisches Buch.

Er sagt, es gibt sowieso keine Sicherheiten mehr und es lohnt sich Risiken einzugehen und sein eigenes Ding zu machen, wenn man eine wahre Leidenschaft hat. Aufgrund der neuen Kommunikationstechniken war die Gelegenheit nie günstiger. Doch man muss sich als Marke positionieren, Personal Branding betreiben. So ganz ohne verbiegen wird das sicherlich schwierig.

Den richtigen Umgang lernen

Das Handy bzw. das Smartphone: Unzählige Möglichkeiten bietet es uns. Wir können von unterwegs aus arbeiten oder uns mit Freunden austauschen, können schauen, wo das nächste Restaurant ist in dieser Stadt oder unterwegs mal kurz die Neuigkeiten auf Nachrichtenseiten oder Blogs lesen, und und und. Überhaupt: Das Großartige ist, wir sind immer erreichbar und wir können uns in jeder Sekunde – egal wo wir sind – mitteilen. Keine Frage: Das Internet ist toll und das Smartphone ist es auch. Kaum jemand will es mehr missen.

Und doch, müssen wir erst lernen, richtig mit Handys und anderen modernen Technologien umzugehen. Die Soziologin Sherry Turkle weist immer wieder daraufhin. Zum Beispiel in ihrem Buch: Alone Together.

YouTube Preview Image

Und auch in „Psychologie heute“ spricht sie von Entwicklungen, die unheimlich klingen.

Kinder, mit denen wir Interviews geführt haben, beschwerten sich darüber, dass ihre Eltern am Frühstückstisch sowie beim Abendessen immer wieder SMS verschicken.

(…) Viele der Heranwachsenden (…) haben mir ihre Abneigung gegenüber Telefonaten geschildert. Sie sagen, Telefonate bedeuten Konversationen, bei denen sie nicht die Oberhand behalten.

Telefonieren kommt irgendwie aus der Mode…

Ich weiß nicht, wie verbreitet es ist, dass sich Menschen zu sehr von den Kommunikationstechnologien vereinnahmen lassen und dabei die direkte Kommunikation und die Beziehung zu den eigentlich engsten Vertrauten vernachlässigen. Ich weiß aber: Es kommt vor. Und natürlich hat sich etwas verändert. Es scheint, als würden unsere Beziehungen mehr, dafür aber oberflächlicher. Die Soziologin Turkle mahnt: Wir müssen Konversation in Zeiten des Internets, der  Sozialen Netzwerke, neu erlernen. Irgendwo, bei irgendwem sollte es für jeden die Möglichkeit geben, Probleme zu besprechen.

Wie sehr das Internet und Smartphones unsere Beziehungen beeinflussen – sich in das Familienleben einmischen, wenn der Vater zum Beispiel lieber auf das Handy guckt, als mit dem Sohn zu reden – dann ist das eine Diskussion wert. Genauso wie bereits diskutiert wird, wie sich das Arbeitsverhalten durch die neuen Medien geändert hat. Wir sind schneller, weil wir schneller an Informationen kommen. Trotzdem muss man sicherstellen auch mal möglichst unterbrechungsarm arbeiten zu können, also sollte nicht sofort auf jede EMail reagiert werden. Denn es braucht ab und an die Ruhe, das Ungestörtsein, um ein Problem zu durchdringen oder kreativ zu sein. Natürlich ist die zunehmende Vernetzung fantastisch, weil wir in der Wissensgesellschaft so effektiv Probleme lösen können. Dann sind da aber wieder die Momente, die das Alleinsein erfordern. Das bezieht sich sowohl auf den Beruf als auch auf das Private. Viele junge Menschen haben das verlernt, sagt Turkle. Doch wer das nicht gelernt hat, wird sich in bestimmten Situationen einsam fühlen.

Und ich selbst arbeite eigentlich wirklich konzentriert, wenn mich nichts und niemand ablenken kann. Allerdings lass ich mich leichter ablenken als früher.

Ich frage mich, ob wir – dank der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten – unsere Konzentrationsfähigkeit einbüßen. Ich glaube, dies manchmal an mir zu erkennen. Ich lese auch weniger Bücher als früher – egal ob auf Papier oder Digital. Dafür bin ich nun öfter bei Facebook… Bücher machen mich zufriedener und trotzdem schaue ich immer zuerst bei den Netzwerken vorbei, erst danach kommt das Buch.

Vom Glück zu arbeiten

Wie wird es mit der Arbeit weitergehen? Wird Arbeit immer knapper und globalisierter, wird sie prekärer und dabei für den Einzelnen immer unsicherer? Oder sorgt der demographische Wandel dafür, dass die Arbeitskräfte rar werden und die Qualität der Arbeit spürbar steigt? Wird es uns gelingen, Arbeit in unserer nachindustriellen, wissensbasierten Marktwirtschaft sinnvoll zu gestalten, sie auf mehr Schultern zu verteilen und bei allem verständlichen Streben nach Erfolg auch an das Gemeinwohl zu binden?

Diese Fragen stellt Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit in seinem Vorwort zu einem sehr interessanten Buch: Vom Glück zu arbeiten. Die Autoren sind Clemens Brandstetter und Johannes Czwalina.

Das Buch ist deshalb so interessant, weil es Gedanken(spiele) enthält, die, so denke ich, viele von uns in sich tragen, vielleicht nur ahnen, dass etwas in Sachen Arbeitswelt nicht ganz stimmig ist, dass sich etwas ändern sollte oder muss, gerade weil Arbeit eine so große Bedeutung für das eigene Wohlbefinden des Einzelnen und einer Gesellschaft hat. Nicht nur sollte sie ein gewisses materielles Auskommen einbringen, sondern auch ein Gefühl der Anerkennung und der Sinnerfüllung. Vor allem in der Wissensgesellschaft wird das von den Menschen verlangt. Nichtsdestotrotz: die Diskussion wird nicht geführt. Okay, Burn-out, Stressmanagement, das sind Themen. Allerdings bleibt die gesellschaftliche Perspektive außen vor. Angesetzt wird beim Einzelnen und der Unternehmensführung.

Bei aller Freude, die die Arbeit bringen kann, etwas läuft aber aus dem Ruder, etwas, dass alle betrifft.

Die einen sind gestresst wegen Überarbeitung und Angst, ihre Erwerbsarbeit zu verlieren, und die anderen, weil sie keine bezahlte Arbeit mehr finden. Die Frage der materiellen Effizienz, der Finanzierbarkeit, der Gewinnmaximierung verdrängt die Frage nach der Erfüllung.

Die Arbeit muss wieder stärker mit dem gesamten Leben harmonisieren.

Wir müssen unsere Arbeits- und Erwerbsgesellschaft wieder stärker in unsere Lebenszusammenhänge einbinden; wir müssen wieder klar machen, wer der Herr und wer der Diener ist: Der Markt ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Markt.

Bei allen Anforderungen einer Arbeitswelt, die immer rasanter wird, darf die Würde des Menschen nicht aus dem Auge verloren werden. Für den Einzelnen stellt sich mehr und mehr die Aufgabe, weiter Gestalter seines eigenen Lebens zu bleiben.

Das Buch traut sich eine „lebensdienliche Ökonomie zu skizzieren“ nachdem die Entwicklungen und Trends der Arbeitswelt beschrieben wurden. Vor allem wird an den Einzelnen appelliert, sich persönlich mit dem Thema Arbeit auseinanderzusetzen. Denn:

Die großen Weltveränderungen beginnen immer in der Seele des Einzelnen.

Bemerkenswert an dem Buch finde ich insbesondere, dass die Autoren sich nicht nur mit den Menschen beschäftigen, die Arbeit haben, sondern auch mit denen, die keine Arbeit haben. Ich bin überzeugt, dass wir alle uns verstärkt darüber Gedanken machen müssen, wie wir die Arbeitsgesellschaft als Ganzes gestalten. Ihre Spaltung ist unübersehbar und sie wird weitreichende Folgen haben. Eine Frage wird insbesondere sein: Wie kann die Anerkennung von (ehrenamtlicher) Arbeit erhöht werden, die nicht am Markt nachgefragt wird, aber für die Gesellschaft enorm wichtig ist?

Ein lesenswertes Buch, das inspiriert und sich keine Denkverbote auferlegt.