Archiv der Kategorie: Employer Branding

Storytelling fängt beim Jobtitel an

Manchmal gibt es Stellenangebote, die auffallen – und manchmal nur aufgrund einer Kleinigkeit. Neulich habe ich das Angebot gesehen mit dem Titel: „Scrum Master (m/w) mit Herz“. Allein dieser Zusatz „mit Herz“ macht das Stellenangebot auffällig und sympathisch.

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Studie: Im Zeitalter der Talente

Ist tatsächlich das „Human Age“, das Zeitalter der Talente angebrochen? Ich würde sagen, das kommt drauf an, welche Kompetenzen und Fähigkeiten man als „Talent“ hat. Aber die ManpowerGroup Deutschland hat anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens eine Studie veröffentlicht mit dem Titel „Arbeitswelt der Zukunft“ und in dieser genau so ein Zeitalter ausgerufen: Das Human Age. Die Arbeitswelt wandelt sich und die Treiber sind Demografie, das Fördern von Talentvielfalt, die Macht der Kunden, ein Technologie-Shift, grenzenlose Mobilität und ein Wertewandel.

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HR, wo bist du?

Drei Affen

Was haben der Tod eines Elite-Praktikanten und ein schlecht bezahltes Volontariat gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber auf den zweiten Blick lösen sie zumindest dieselbe Frage aus: Wo sind die Personaler? Im August starb ein deutscher BWL-Student der Investmentbank Merill Lynch in London. Nächtelang hat er durchgearbeitet, weil er herausragende Leistungen erbringen wollte. Auch wenn das nicht die Ursache für seinen Tod gewesen sein sollte, stellt sich doch die Frage: Wieso lässt man einen 21-Jährigen die Nächte durcharbeiten? Wo ist da die Fürsorgepflicht? Warum schützt man nicht zumindest Praktikanten vor dieser testosterongetränkten Kultur der großen Egos, in der derjenige nichts wert zu sein scheint, der zuerst nach Hause geht? Warum schützt man Praktikanten nicht vor sich selbst und ihrer ungesunden Leistungsbereitschaft?

Sich zu kümmern, auf die Firmenkultur einzuwirken, wäre auch eine Aufgabe der Personaler bei Merill Lynch gewesen. In der HR-Community ist und bleibt das große Thema, wie die Personaler es schaffen, das Business zu unterstützen, ihnen zu zeigen, dass sie echten Mehrwert liefern. Gut so. Dennoch müssen die Human Resources Manager auch in der Lage sein, dagegen zu halten, wenn etwas schief läuft. Dazu muss man natürlich auf sie hören, was oft schlicht nicht passiert, weil sie zu wenig Einfluss haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Stellwerk-Desaster bei der Bahn. „Sand im Getriebe“, ein Korrektiv zur gängigen Meinung muss man von oben auch zulassen. Es kann nicht darum gehen, nur auf die Personaler zu hören, wenn sie einen Mehrwert für das Business liefern.

Bei Kiepenheuer & Witsch arbeiten die jungen Menschen sicherlich nicht die Nacht durch. Aber da gibt es auch wesentlich weniger Geld. Der Verlag erlebte Ende September einen Shit Storm als sich ein junger Mann darüber beschwerte, dass es für Volontäre in der Pressestelle nur eine Vergütung von 500 Euro geben sollte – plus 22 Euro Verpflegungszuschuss in Form von Essensmarken. Hier hätte zumindest ein Personaler des Mutterunternehmens Holtzbrinck sehen müssen, dass 500 Euro für ein Volontariat – das mit einem Traineeship vergleichbar ist – nicht nur unverantwortlich ist. Sondern auch dem Arbeitgeberimage schaden kann. Letztendlich musste der Verlag die Vergütung anheben. Der Protest hat in diesem Einzelfall etwas gebracht.  Bei vielen anderen Firmen der Medien, Werbe- und Verlagswelt werden junge Absolventen teilweise immer noch mit unverschämt niedrigen Gehältern abgespeist.

Sowohl die Verlagsbranche als auch die Bankenbranche ziehen junge Menschen an, die sich sehr stark über den beruflichen Erfolg identifizieren und sich im Job selbstverwirklichen wollen. Viele Experten sprechen davon, dass die junge Generation auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft die Bedingungen diktieren kann. Doch die Mehrheit von ihnen diktiert gar nichts. Die Wahrheit ist, dass einige Arbeitgeber in bestimmten Branchen die fehlende Selbstreflexion und den Drang zur Karriere der jungen Leute einfach ausnutzen. Schade, dass HR nicht den Mut und den Einfluss hat, da korrigierend einzugreifen.

Armutszeugnis für HR

Mainz Hbf

Freud und Leid liegen oft ganz nah beieinander: Im Mai erhielt die Deutsche Bahn den Sonderpreis „Employer Branding Innovation des Jahres“. Die Arbeitgeberkampagne „Kein Job wie jeder andere“ wurde auch von vielen Seiten gelobt. DB-Mitarbeitern kam dabei die wichtige Rolle als Botschafter des Unternehmens zu. Sie sollten den authentischen Blick hinter die Kulissen gewähren. Allzu viele Fahrdienstleiter haben bei der Kampagne vermutlich nicht mitgemacht. „Die Leute sind ausgelaugt, verunsichert und wütend auf ihren Arbeitgeber“, sagte im August einer der Bahn-Lotsen anonym.

Kompliment an das Human Resources Management der Bahn für die Kampagne und auch sonstige sehr gute Personalmarketing-Maßnahmen. Doch das Stellwerk-Desaster machte auch ein Versagen von HR deutlich. Personalplanung und vernünftige Arbeitsbedingungen schaffen sind Schwarzbrot-Arbeit von HR. Da muss es zuallererst stimmen. Bei der DB Netz war dem nicht so.

Deswegen verlor im Frühjahr nicht nur der Chef der DB Netz seinen Job, sondern ebenfalls der Personalvorstand. In der Vergangenheit wurde zu viel gespart, die Personalplanung ging daneben. Der Aufbau einer mobilen Reserve wurde erst angekündigt, als das ganze Land nach Mainz schaute. Dass viele Fahrdienstleiter in Mainz im Sommer krankgeschrieben waren, ist nicht nur Pech für den Arbeitgeber, sondern auch ein Indiz dafür, dass etwas für die Arbeitsbedingungen getan werden muss. Und nun dürfen die Arbeitnehmervertreter bei der Personalplanung mitreden, damit diese sich 2014 nach dem „tatsächlichen Bedarf“ richtet, wie der Gewerkschaftschef Alexander Kirchner sagte. Wie man es dreht und wendet: HR kommt bei der Sache nicht gut weg. Entweder haben die leitenden Personalmanager die Sparpolitik abgenickt oder sie hatten Bedenken dagegen, konnten aber die fatalen Kürzungen trotz besseren Wissens nicht abwenden. Beides ist ein Armutszeugnis.

(Der Kommentar erschien zuerst auf der Seite des Human Resources Manager.)

Eine Frage des Images: Ausbildung im Einzelhandel

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Für dieses Video wurden keine Tiere gequält – und keine Praktikanten. Dieser Hinweis steht am Ende des Videos, das Werbung für ein Praktikum bei Edeka macht. Ein Rap-Video, das sich an junge Leute richtet. Es ist, wie es heißt, ein Kreativprojekt von Azubis, das im Rahmen ihrer Ausbildung entstanden ist. Ich muss sagen: Mir gefällt’s. Aber wie so oft, gab es im Netz viel Häme dafür, aber durchaus auch Beifall.

Geht man auf die Seite edekaner.de bekommt man einige Ausbildungsberufe vorgestellt, Kaufmann im Einzelhandel zum Beispiel oder Fachverkäufer im Lebensmittelhandelhandwerk. Sympathische Auszubildende erzählen in Videos einer jungen Moderatorin von ihrem Arbeitsalltag. Die Videos sind pfiffig gemacht und alles andere als dröge. Da rattert keiner monoton – von einem Blatt ablesend – seine Aufgaben runter.

Auf der Seite gibt es zudem eine Stellenbörse mit „Last-Minute-Ausbildungsstellen“, ein Quiz zur Orientierungshilfe, welcher Beruf zu einem passt und eine Übersicht zu allen Ausbildungsberufen. Das ganze wird von Edeka im Rahmen der Kampagne „Lern doch lieber was Vernünftiges“ gefahren, die die Werbetrommel für Ausbildungsberufe und Studiengänge rührt. Es wurden außerdem Fotoshootings mit 34 „hundertprozentigen Edeka-Azubis“ gemacht.

Ich bin kein Edeka-Fan. Ich muss sagen, Edeka ist mir ziemlich egal. Aber das Ausbildungsmarketing, was da betrieben wird ist sehr interessant und meiner Meinung nach – soweit ich das beurteilen kann – ziemlich gut.

Überhaupt finde ich, dass der Einzelhandel in Sachen Ausbildungsmarketing weit vorne ist. Ist auch nicht verwunderlich. Denn hier werden Massen an Azubis gebraucht, gleichzeitig hat das Arbeiten im Einzelhandel bei vielen jungen Menschen ein Image-Problem. Es gilt nicht als sexy. Probleme bei der Besetzung der Stellen scheint es auch aufgrund mangelnder schulischer Qualifikation von Bewerbern zu geben. Zumindest sagt das der Handelsverband Deutschland (HDE).

Ein anderes bekanntes Beispiel in Sachen Ausbildungsmarketing ist von REWE die Kampagne Rewelution. Der sogenannte Jugendclub der REWE Group zielt auf 14-18-Jährige, die noch unschlüssig sind, wo die berufliche Reise hingehen soll. Auch insgesamt eine ganz gute Seite, aber etwas unübersichtlich, die Navigation: na ja, und die Azubis klingen ein wenig gequält, wenn sie über ihren Job erzählen.

Weitere interessante Karrierewebseiten mit Zielgruppe Auszubildende:

Netto mit nettodrom.de

Kaisers (mit Tipps für Eltern und Lehrer!)

dm (Sympathische Seite, die das Erlebnis dm ganz gut rüberbringt, obgleich man mehr auf Videos setzen sollte)

Der Handel schloss im vergangenen laut Jahr laut HDE 29.801 Ausbildungsverträge für Kaufleute im Einzelhandel ab. Das entspricht einem Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und es sieht nicht so aus, als ob in der nahen Zukunft weniger Azubis gebraucht werden. Doch der demografische Wandel wird für einen harten Wettbewerb sorgen. Einem Wettbewerb, der natürlich nicht nur zwischen den Einzelhändlern stattfindet, sondern auch mit Versicherungen, Industrie, Handwerk etc. Unternehmen, gerade in Ballungsräumen mit vielen großen attraktiven Arbeitgebern.