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Keine Frage des Geschlechts

Nachdem es am Freitag hieß, dass Marion Schick die Telekom verlässt, meldete Handelsblatt am Sonnabend, dass der Automobilzulieferer Continental den Vertrag von Elke Strathmann nicht verlängern wird. Beide Frauen müssen ihren HR-Vorstandsposten in einem DAX-Konzern räumen. Dass sie, wie zum Beispiel auch Angelika Dammann bei SAP, gescheitert sind, ist allerdings keine Frage des Geschlechts. Auch Männer hätten es schwer gehabt, wenn sie als Branchenfremde gleich auf der ersten Ebene eingestiegen wären. Und Branchenfremde waren beide Frauen. Bevor sie Personalchefin wurde, war Schick zuvor Ministerin in Baden-Württemberg. Strathmann kam von Nestlé, einem Konsumgüterkonzern. Der Headhunter Heiner Thorborg hat auf das Problem einmal in einem Interview mit dem Human Resources Manager hingewiesen: Auf der Vorstandsebene „werden leider zu häufig Fehler begangen, wenn man Frauen von draußen holt, die in der Praxis überfordert sind. Ihnen fehlen die notwendigen Qualifikationen, um sich im speziellen Konzernumfeld zu behaupten. Und dann werden sie noch allein gelassen. Wenn jemand beispielsweise aus einer völlig anderen Unternehmenskultur, einer völlig anderen Industrie und ohne Vorstandserfahrung auf die oberste Ebene eines Unternehmens wechselt, ist er oder sie verloren. Das ist geschlechterunabhängig.“

Hinzu kommt natürlich auch noch individuelles Fehlverhalten. Bei Marion Schick gab es unter anderem Kritik am Führungsstil und ihr wurde vorgeworfen, auf die falschen Themen gesetzt zu haben. Auch bei Elke Strathmann gab es wohl „atmosphärische Störungen“. Sie sei zu vielen Männern mit ihrer selbstbewussten Art auf die Füße getreten, heißt es im Handelsblatt. In diesem Punkt spielt wohl dann doch das Geschlecht eine Rolle. Einem Mann wird selbstbewusstes Auftreten in der Regel eher weniger vorgeworfen.