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Eine Frage des Images: Ausbildung im Einzelhandel

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Für dieses Video wurden keine Tiere gequält – und keine Praktikanten. Dieser Hinweis steht am Ende des Videos, das Werbung für ein Praktikum bei Edeka macht. Ein Rap-Video, das sich an junge Leute richtet. Es ist, wie es heißt, ein Kreativprojekt von Azubis, das im Rahmen ihrer Ausbildung entstanden ist. Ich muss sagen: Mir gefällt’s. Aber wie so oft, gab es im Netz viel Häme dafür, aber durchaus auch Beifall.

Geht man auf die Seite edekaner.de bekommt man einige Ausbildungsberufe vorgestellt, Kaufmann im Einzelhandel zum Beispiel oder Fachverkäufer im Lebensmittelhandelhandwerk. Sympathische Auszubildende erzählen in Videos einer jungen Moderatorin von ihrem Arbeitsalltag. Die Videos sind pfiffig gemacht und alles andere als dröge. Da rattert keiner monoton – von einem Blatt ablesend – seine Aufgaben runter.

Auf der Seite gibt es zudem eine Stellenbörse mit „Last-Minute-Ausbildungsstellen“, ein Quiz zur Orientierungshilfe, welcher Beruf zu einem passt und eine Übersicht zu allen Ausbildungsberufen. Das ganze wird von Edeka im Rahmen der Kampagne „Lern doch lieber was Vernünftiges“ gefahren, die die Werbetrommel für Ausbildungsberufe und Studiengänge rührt. Es wurden außerdem Fotoshootings mit 34 „hundertprozentigen Edeka-Azubis“ gemacht.

Ich bin kein Edeka-Fan. Ich muss sagen, Edeka ist mir ziemlich egal. Aber das Ausbildungsmarketing, was da betrieben wird ist sehr interessant und meiner Meinung nach – soweit ich das beurteilen kann – ziemlich gut.

Überhaupt finde ich, dass der Einzelhandel in Sachen Ausbildungsmarketing weit vorne ist. Ist auch nicht verwunderlich. Denn hier werden Massen an Azubis gebraucht, gleichzeitig hat das Arbeiten im Einzelhandel bei vielen jungen Menschen ein Image-Problem. Es gilt nicht als sexy. Probleme bei der Besetzung der Stellen scheint es auch aufgrund mangelnder schulischer Qualifikation von Bewerbern zu geben. Zumindest sagt das der Handelsverband Deutschland (HDE).

Ein anderes bekanntes Beispiel in Sachen Ausbildungsmarketing ist von REWE die Kampagne Rewelution. Der sogenannte Jugendclub der REWE Group zielt auf 14-18-Jährige, die noch unschlüssig sind, wo die berufliche Reise hingehen soll. Auch insgesamt eine ganz gute Seite, aber etwas unübersichtlich, die Navigation: na ja, und die Azubis klingen ein wenig gequält, wenn sie über ihren Job erzählen.

Weitere interessante Karrierewebseiten mit Zielgruppe Auszubildende:

Netto mit nettodrom.de

Kaisers (mit Tipps für Eltern und Lehrer!)

dm (Sympathische Seite, die das Erlebnis dm ganz gut rüberbringt, obgleich man mehr auf Videos setzen sollte)

Der Handel schloss im vergangenen laut Jahr laut HDE 29.801 Ausbildungsverträge für Kaufleute im Einzelhandel ab. Das entspricht einem Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und es sieht nicht so aus, als ob in der nahen Zukunft weniger Azubis gebraucht werden. Doch der demografische Wandel wird für einen harten Wettbewerb sorgen. Einem Wettbewerb, der natürlich nicht nur zwischen den Einzelhändlern stattfindet, sondern auch mit Versicherungen, Industrie, Handwerk etc. Unternehmen, gerade in Ballungsräumen mit vielen großen attraktiven Arbeitgebern.

 

 

Scheitern nicht gelernt

Monster High: Spectra

Der Bologna-Prozess hat die Studienzeiten verkürzt, so wie es die Wirtschaft gefordert hat. Und in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels haben überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen und Berufseinsteiger ausgezeichnete Karriereaussichten. So ist es überall zu lesen. Qualifikation bezieht sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch erstmal nur nur auf diejenigen, die sich leicht im Lebenslauf erkennen lassen. Sozialen Kompetenzen bzw. Inkompetenzen sind meistens schwerer zu erkennen. Das braucht ein bisschen Zeit.

Nun hat die Beratung Kienbaum eine Studie veröffentlicht, in der davon die Rede ist, dass man auch scheitern kann, wenn man ein High Potential ist. Das ist zumindest die Erfahrung vieler Personalchefs.  Gründe hierfür sind aus Sicht der HR-Leiter vor allem mangelnde Soft Skills: Scheitert ein deutscher High Potential, liegt dies in 94 Prozent der Fälle an seiner Selbstüberschätzung und zu 89 Prozent an der mangelnden Fähigkeit zur Selbstkritik.

Die Defizite in der Persönlichkeit führen die Berater unter anderem auf die Bologna-Reform zurück, die es den Studierenden erschwert, wichtige Erfahrungen zu machen. So sagt Erik Bethkenhagen im Interview mit dem manager-magazin:

Das gilt vor allem im persönlichen Bereich. Scheitern als Prozess des Hinfallens, aber auch des Wiederaufstehens und Weitergehens wird von den ganz Jungen so kaum erlebt und damit auch nicht gelernt. Bei dem ein oder anderen Absolventen mit Glanznoten hat man dann den Eindruck, er sei zu arrogant zum Scheitern. Hinzu kommt, dass die Unternehmen gerade ihrem Führungsnachwuchs bereits goldene Brücken bauen, um sich das Talent auch ja zu sichern.

Einige Unternehmen haben aber erkannt, dass es wichtig ist, dass der Nachwuchs Erfahrungen macht, die manchmal Zeit kosten, die das Studium vielleicht verlängern, die aber den Horizont erweitern und somit die Persönlichkeit stärken.

So bieten zum Beispiel vier große Unternehmen ein gemeinsames Praktikumsprogramm an, das Gap Year. Besonders interessant: Es sieht ausdrücklich Monate vor, in denen die jungen Leute eine Weltreise machen, sich sozial engagieren und ähnliches.

Es lohnt sich, auch mal nicht der Schnellste zu sein – auch, wenn es um die Karriere geht.