Archiv der Kategorie: Mobilität

IBM und die Freelancer – schon heute die Zukunft

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Unter der Überschrift „Revolutionäres Arbeitsmodell: IBM schafft den Miet-Jobber“ berichtete der Spiegel vor einiger Zeit von einer vermeintlich grundlegenden Neuorganisation der Arbeitsstrukturen. Danach soll der Konzern künftig nur noch von einer kleinen Kernbelegschaft geführt werden.

Spezialisten und Fachkräfte hingegen will IBM auf einer eigens gegründeten Internetplattform anwerben. Dort sollen sich freie Mitarbeiter aus der ganzen Welt präsentieren und nach bestimmten, von IBM entworfenen Qualitätsmerkmalen zertifiziert werden.

Auf dem Blog Wollmilchsau ist zu lesen, dass IBM in Form eines Pilotprojekts bereits seit mindestens einem Jahr im  Rahmen der Initiative BeLiquid dieses Arbeitsmodell testet.

In der Print-Version des Spiegel-Artikels wird die sogenannte Radikalreform ganz schön dramatisiert. So heißt es zum Beispiel:

Auf der Strecke bleiben die Mitarbeiter. Sie werden zu einem Produktionsmittel, das bei Bedarf weltweit angeheuert und genauso schnell wieder abgeschüttelt werden kann.

Ich sehe das Ganze nicht so kritisch. Der Spiegel schreibt ja selbst von einer Entwicklung, die sich seit längerem in Deutschland abzeichnet. Die Zahl der Solo-Selbstständigen steigt seit Jahren. Und es sind nicht zuletzt die Medien, die selbst ihre Produkte von einer Kernbelegschaft produzieren lassen, die wiederum von freien Journalisten mit Artikeln beliefert wird. Bei Architekten ist es genauso.

Es geht vor allem um ein Mehr an Flexibilität. Die Schaffung einer atmenden Organisation in einer hochvolatilen Welt ist das Ziel. Natürlich wird dabei das unternehmerische Risiko mehr und mehr auf die Beschäftigten verlagert. Doch jeder sollte versuchen das Beste draus zu machen. Und ich bin mir sicher, dass es viele IT-Beschäftigte gibt, die gar nicht anders arbeiten wollen, die ihr eigener Herr sein wollen. So ist es nämlich auch bei Journalisten. Viele arbeiten gerne frei und wollen nicht mehr zurück in die Tretmühle, auch wenn es noch so schwierig ist.

Klar, man muss mit dieser Freiheit und dem Druck, an Aufträge kommen zu müssen, erstmal umgehen können. Das ist nicht jedem gegeben. Doch wie Alexander Fedossov von atenta auf Wollmilchsau schreibt,

wäre es zum Beispiel überlegenswert,wie man sich in seiner Kerndisziplin unersetzbar macht. Dann gibt es, ob Festangestellter oder Freelancer, nichts zu fürchten.

Es geht also darum, an seiner Beschäftigungsfähigkeit (Employability) zu arbeiten. Das muss den Arbeitnehmern deutlicher gesagt werden. Denn diese Entwicklung wird weiter gehen. Nichtsdestotrotz: Auf einem weltweiten Arbeitsmarkt wird man um die eigene Unersetzbarkeit stärker kämpfen müssen. Zumal es ja wohl bei der Auftragsvergabe durch IBM nicht um die großen essenziellen Projekte geht, bei denen eine vertrauensvolle Beziehung das wichtigste ist. In einer spezialisierten Welt wird alles in immer kleinere Arbeitschritte unterteilt.
Das Risiko für IBM dürfte gering sein. Zwar kann das Unternehmen über das bestimmte Know-how des Einzelnen nicht mehr alleine verfügen – da dieser mehrere Auftraggeber hat -, jedoch gibt es in den Schwellenländen mittlerweile eine Menge gutausgebildeter ITler.  Der Nachschub ebbt nicht ab.
Ob es deshalb zu einem Preiskampf unter den Freelancern kommen wird, wird sich zeigen. Ich kann es nicht so richtig einschätzen, wie entscheidend der kulturelle Faktor ist. Sicher ist, dass die kulturellen Unterschiede innerhalb der jungen Generation geringer geworden sind.
Modelle wie das von IBM könnten vielleicht zu einer weltweiten Angleichung der Vergütung in  der jeweiligen Branche führen – wenn die Fähigkeiten und Kompetenzen der Freelancer vergleichbar sind.
Foto: Levente Kovacs (L.K.!)

In der Wolke

Clouds

Der Begriff ist überall zu hören, von Hype kann keine Rede sein: Cloud Computing.

Die Cloud wird auch dem mobilen Arbeiten einen weiteren Schub geben. Das Cloud-Office für Smartphones ist jetzt auf dem Vormarsch.

Laut BITKOM wird generell erwartet, dass Cloud Computing die gesamte Informationswirtschaft, ihre Technologien und ihr Geschäft und somit auch die Beziehungen zwischen Anbietern und Kunden nachhaltig verändern wird. BITKOM bietet zu dem Thema umfassende Informationen.

Bevor der ganz große Erfolg kommt, sind wohl aber noch einige Fragen nicht abschließend geklärt, die Bereiche betreffen wie: Datenschutz, IT-Sicherheit oder Verfügbarkeit.

Dass es aber für Smartphonebenutzer interessant ist, sämtliche IT-Leistungen als Service über das Netz zu bekommen, leuchtet mir ein.

Office 21

„Arbeite dort, wo du willst“, sagt der von mir sehr geschätzte Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger. Da ist bei den meisten heute eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Zukünftig wird das aber anders. Das Handelsblatt (Online) widmet dem Büro der Zukunft einen Artikel: Arbeitsplatz der Zukunft: bunter, flexibler=kreativer?

Die Individualität soll aber künftig nicht bei der Wahl des Platzes in den firmeneigenen Büroräumen aufhören. Es werde daher öfter heißen „Arbeite dort, wo du willst“, sagt Bullinger – das könne im Büro, beim Kunden oder zu Hause sein.Treiber sind dabei die neuen Technologien: Die Arbeitswelt folgt den neuen Möglichkeiten der mobilen Kommunikation und der mobilen Datenverarbeitung.

Erwähnt wird das Office 21, ein Forschungsprojekt der Fraunhofer-Gesellschaft, genauer gesagt, des Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Dabei geht es um die Frage, wie sich Büro- und Wissensarbeit entwickeln werden. Beispielsweise werden Kooperation und Kreativität in der Wirtschaftswelt noch wichtiger. Wie können die Gestaltung der Büroarbeit und die Nutzung moderner Technologien solchen steigenden Anforderungen gerecht werden? Das alles ist hochspannend.

Hier die Seite zum Office 21 des IAO.

Zukunft des Lernens

Die Zukunft des Lernens – sie hat schon begonnen und sie liegt im Netz. Do it yourself. Offen und kostenfrei. …und trotzdem bleibt der Wunsch der Beschäftigten und die Erwartung der Arbeitgeber nach Abschlüssen und Zertifikaten. Der Einzelne will sich abheben, der Arbeitgeber will Beweise sehen… Das vermute ich zumindest. Ich gehe demnach davon aus, dass beides, das Formelle sowie das Informelle,  seinen Platz haben wird, in der Welt des Lernens.

Den richtigen Umgang lernen

Das Handy bzw. das Smartphone: Unzählige Möglichkeiten bietet es uns. Wir können von unterwegs aus arbeiten oder uns mit Freunden austauschen, können schauen, wo das nächste Restaurant ist in dieser Stadt oder unterwegs mal kurz die Neuigkeiten auf Nachrichtenseiten oder Blogs lesen, und und und. Überhaupt: Das Großartige ist, wir sind immer erreichbar und wir können uns in jeder Sekunde – egal wo wir sind – mitteilen. Keine Frage: Das Internet ist toll und das Smartphone ist es auch. Kaum jemand will es mehr missen.

Und doch, müssen wir erst lernen, richtig mit Handys und anderen modernen Technologien umzugehen. Die Soziologin Sherry Turkle weist immer wieder daraufhin. Zum Beispiel in ihrem Buch: Alone Together.

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Und auch in „Psychologie heute“ spricht sie von Entwicklungen, die unheimlich klingen.

Kinder, mit denen wir Interviews geführt haben, beschwerten sich darüber, dass ihre Eltern am Frühstückstisch sowie beim Abendessen immer wieder SMS verschicken.

(…) Viele der Heranwachsenden (…) haben mir ihre Abneigung gegenüber Telefonaten geschildert. Sie sagen, Telefonate bedeuten Konversationen, bei denen sie nicht die Oberhand behalten.

Telefonieren kommt irgendwie aus der Mode…

Ich weiß nicht, wie verbreitet es ist, dass sich Menschen zu sehr von den Kommunikationstechnologien vereinnahmen lassen und dabei die direkte Kommunikation und die Beziehung zu den eigentlich engsten Vertrauten vernachlässigen. Ich weiß aber: Es kommt vor. Und natürlich hat sich etwas verändert. Es scheint, als würden unsere Beziehungen mehr, dafür aber oberflächlicher. Die Soziologin Turkle mahnt: Wir müssen Konversation in Zeiten des Internets, der  Sozialen Netzwerke, neu erlernen. Irgendwo, bei irgendwem sollte es für jeden die Möglichkeit geben, Probleme zu besprechen.

Wie sehr das Internet und Smartphones unsere Beziehungen beeinflussen – sich in das Familienleben einmischen, wenn der Vater zum Beispiel lieber auf das Handy guckt, als mit dem Sohn zu reden – dann ist das eine Diskussion wert. Genauso wie bereits diskutiert wird, wie sich das Arbeitsverhalten durch die neuen Medien geändert hat. Wir sind schneller, weil wir schneller an Informationen kommen. Trotzdem muss man sicherstellen auch mal möglichst unterbrechungsarm arbeiten zu können, also sollte nicht sofort auf jede EMail reagiert werden. Denn es braucht ab und an die Ruhe, das Ungestörtsein, um ein Problem zu durchdringen oder kreativ zu sein. Natürlich ist die zunehmende Vernetzung fantastisch, weil wir in der Wissensgesellschaft so effektiv Probleme lösen können. Dann sind da aber wieder die Momente, die das Alleinsein erfordern. Das bezieht sich sowohl auf den Beruf als auch auf das Private. Viele junge Menschen haben das verlernt, sagt Turkle. Doch wer das nicht gelernt hat, wird sich in bestimmten Situationen einsam fühlen.

Und ich selbst arbeite eigentlich wirklich konzentriert, wenn mich nichts und niemand ablenken kann. Allerdings lass ich mich leichter ablenken als früher.

Ich frage mich, ob wir – dank der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten – unsere Konzentrationsfähigkeit einbüßen. Ich glaube, dies manchmal an mir zu erkennen. Ich lese auch weniger Bücher als früher – egal ob auf Papier oder Digital. Dafür bin ich nun öfter bei Facebook… Bücher machen mich zufriedener und trotzdem schaue ich immer zuerst bei den Netzwerken vorbei, erst danach kommt das Buch.