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Inspiration von außen

Gerade in Berlin entstehen mehr und mehr Coworking Spaces. Die sind nicht nur für Selbstständige interessant, sondern werden auch von vielen Unternehmen als Ort der Kreativität geschätzt. Eines  davon ist juggleHUB. Das Coworking Space bietet sogar zusätzliche Kinderbetreuung an. Mitgründerin Katja Thiede erzählt, wie die Idee entstanden ist.  Weiterlesen

Bauchschmerzen

Bekanntlich arbeiten die Kommunen mehr oder weniger fleißig am Krippenausbau. Noch knapp ein Jahr, dann haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Krippe. Die meisten freut’s wohl. Laut einer Befragung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums halten 75 Prozent der Deutschen den geplanten Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab einem Jahr für eine gute Sache. Das ist eine satte Mehrheit.

Der Ausbau soll vor allem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dienen. Gleichzeitig fördert das Bundesfamilienministerium das Angebot von betrieblichen Betreuungsplätzen. Mehr und mehr Unternehmen tun selbst viel dafür, ihre Angestellten zu unterstützen, wenn es um die Betreuung der Kinder geht.  Entweder sie eröffnen selbst eine Kita oder sie zahlen zum Beispiel Zuschüsse, die sogar sozialversicherungs- und steuerfrei sind – eine Anti-Herdprämie sozusagen. Das bekannteste Beispiel ist Siemens, die 100 Euro pro Monat zahlen beziehungsweise 500 Euro bis zu 14 Monate nach der Geburt, wenn junge Eltern dafür schnell zurück in den Beruf kommen und Teilzeit arbeiten.

Was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeht, hat sich also die Stimmung in den vergangenen Jahren enorm gedreht – Betreuungsgeld hin oder her. Und auch wenn der Krippenausbau nicht so vorankommt, wie geplant. Die Entwicklung ist eindeutig. Ich persönlich finde das richtig, nicht unbedingt wegen des vielzitierten Fachkräftemangels, sondern weil ich denke, dass Frauen (und die betrifft es ja in erster Linie) die Möglichkeit bekommen sollten, möglichst bald in den Beruf zurückzukommen.

Und doch habe ich manchmal Bauchschmerzen. Meine Angst ist, dass viele Eltern ihre Karriere über das Wohl ihres Kindes stellen – ohne Absicht.  Zuschüsse vom Arbeitgeber und der verzweifelte Ruf: „Wir brauchen Sie“ verstärken eventuell die Bereitschaft, das 1-jährige Kind den ganzen Tag in der Krippe zu lassen.

Ich würde das alles gar nicht schreiben, wenn ich nicht neulich mit einem Bekannten darüber gesprochen hätte, der als Erzieher in einer super-modernen Kita in Berlin-Mitte arbeitet. Da kostet die Betreuung pro Monat 500 Euro und mehr. Er erzählte, dass er teilweise an der Gleichgültigkeit der Eltern gegenüber der Betreuung ihrer Kinder verzweifelt und dass er es nicht verstehen könne, wenn – wie es in der Kita geschieht – Eltern ihr zweijähriges Kind von 7 bis 17.30 Uhr in der Kita lassen, damit es dann von der Babysitteren abgeholt wird. Ich will kein Moralapostel sein, aber es macht mich irgendwie traurig.

Männer und Frauen sollten auch den Mut haben, Teilzeit einzufordern, bei allem Verständnis für den Wunsch zu arbeiten. Es kommt auf die Balance an. Studien zeigen, dass es den kleinen Kindern nicht schadet, wenn sie frühzeitig fremdbetreut werden in einer Kita. Es hat sogar einen positiven Einfluss auf den späteren Bildungsweg. Ich finde halt nur einfach, dass so kleine Kinder ihre Eltern brauchen – und das mehr als eins bis zwei Stunden am Tag.