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Schluss mit dem Konzern-Mief

Freedom

Der Anstieg der Zahl der Solo-Selbstständigen hat in den letzten Tagen Schlagzeilen gemacht. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Zahl der Alleinunternehmer im vergangenen Jahrzehnt um 40 Prozent gestiegen.

Auch wenn der Schritt in die Selbstständigkeit bei vielen aus der Not geboren ist, lohnt es sich dennoch auf ein Motiv zahlreicher Betroffenen zu gucken, das bislang noch zu wenig Berücksichtigung findet.

Denn mehr denn je ist bei Angestellten ein Überdruss hinsichtlich der bestehenden Kultur ihrer Unternehmen festzutellen. Gemeint ist hier an dieser Stelle gerade nicht die Generation Y. Sondern ich spreche hier vor allem von Managern, Führungskräften jenseits der 40, die nach zehn bis 20 Jahren in großen Unternehmen genug haben – genug von unsinnigen Meetings, wenig Gestaltungsspielraum, ständigen Reportings, zu wenig Spaß. Ich habe in letzter Zeit mit einigen Managern gesprochen, und bei vielen ist entweder der Frust oder der Wunsch nach mehr Freiheit groß oder beides. Für sie ist klar, dass sie sich (oder zusammen mit Bekannten) selbstständig machen oder in ein Start-up-Umfeld reingehen.

Der Managementberater Reinhard Sprenger sagt im aktuellen Human Resources Manager: „Der Mensch ist ein Freiheitswesen und an seiner Freiheit kommen Sie nicht vorbei.“ Er bezieht es vor allem auf das Thema Führung. Doch genauso kann man es auf die zahlreichen Restriktionen anwenden, die vielen offiziellen und inoffiziellen Vorschriften, die in einem Konzern vorherrschen.

Bei den angesprochenen Managern geht es gar nicht so sehr darum, selbstständig zu sein, es geht darum, wieder mehr Luft zum atmen zu bekommen, wirklich etwas zu bewegen, das eigene Wirken im Ergebnis zu sehen, ohne dass es durch zahlreiche Abstimmungsschleifen gegangen und am Ende nicht wieder zu erkennen ist. Und ohne, dass ständig jemand hinter einem steht und „Leistung“ brüllt. Denn das soll ja neben den ganzen Reportings auch noch abgeliefert werden: Leistung. Immer mehr Unternehmen sprechen von einer „Leistungskultur“, die bei ihnen herrschen solle. Sollte Leistung nicht selbstverständlich sein? Der Begriff der Leistungskultur wird von vielen Personalverantwortlichen vor sich her getragen, als sei man sich nicht sicher, ob die eigenen Mitarbeiter bereit dazu sind. Deshalb muss es betont werden.

Wir brauchen nicht über die Generation Y sprechen. Die Bedürfnisse der heute 40-Jährigen sind ähnlich. Über die Generation Y wird immer gesagt, sie sei besonders leistungsbereit, wolle viel Freiraum und bestehe auf direktes Feedback. Das klingt sicherlich auch für 40-Jährige nicht schlecht.

(Foto: sacrifice_87)

 

Die Armut hat viele Gesichter

latte macchiato

Es klingt erstrebenswert: In der Arbeit Erfüllung finden, das tun, was einem Spaß macht, etwas,  hinter dem man steht, ausprobieren und gleichzeitig frei sein, nicht eingezwängt in einer Hierarchie. Mit anderen Worten: Ideale haben und sein Leben danach ausrichten, Arbeit inbegriffen.  Viele der heute 30- bis Mitte 40-Jährigen, die in der Großstadt leben und sich den Kreativen zugehörig fühlen, gehen diesen Weg und manchen geht es richtig gut – materiell gesehen – für viele jedoch ist es der pure Kampf ums Überleben – die blöde Sache mit dem Geld, die ganzen Rechnungen, Essen, Trinken, mal Weggehen.

Katja Kullmanns Buch Echtleben erzählt, wie schwer das ist mit der Selbstverwirklichung. Armut hat heute viele Gesichter und sie zeigt sich eben auch bei Akademikern, nicht selten haben sie Geschichte, Germanistik oder Kommunikationswissenschaften studiert und arbeiten nun als freischaffende Irgendwas, häufig irgendwas mit Medien. Sie sind Publizisten, Schauspieler, Berater, etc. Vor allem sind sie Überlebenskünstler, die keine Lust haben, sich solange selbst zu optimieren, bis sie 1a für den Arbeitsmarkt geeignet sind. Sie wollen ja sowieso frei sein, wenngleich das, was sie anbieten, eine Menge andere ebenfalls anbieten.

Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, warten auf Aufträge und darauf, dass der Auftraggeber endlich bezahlt. Es geht hoch und runter und ab und an sitzt man bei der ARGE und hört von der Sachbearbeiterin: Sie brauchen sich nicht zu schämen (Von ihrem ersten Arbeitsagentur-Besuch erzählt Kullman sehr schön in ihrem Buch).

Der Preis der Freiheit, er kann sehr hoch sein. Vor allem, wenn man sich partout „nicht verbiegen“ will. Im Kontrast zu dieser Schonungslosigkeit von Kullmann stehen Bücher wie Meconomy von Markus Albers.

Auch Albers will die Freiheit, keinen Meetingterror und keine Fremdbestimmung mehr. Doch er betont die Chancen der Selbstständigkeit, ein durch und durch optimistisches Buch.

Er sagt, es gibt sowieso keine Sicherheiten mehr und es lohnt sich Risiken einzugehen und sein eigenes Ding zu machen, wenn man eine wahre Leidenschaft hat. Aufgrund der neuen Kommunikationstechniken war die Gelegenheit nie günstiger. Doch man muss sich als Marke positionieren, Personal Branding betreiben. So ganz ohne verbiegen wird das sicherlich schwierig.