Schlagwort-Archive: Generation Y

Keiner will die Bachelor-Absolventen

Das Thema Jobfitness bei Hochschulabsolventen beschäftigt mich gerade sehr. Vergangene Woche war ich als Sachverständiger vor dem Wissenschaftsrat geladen. Es ging um den „Kompetenzerwerb im Hochschulstudium und die Qualifikationsanforderungen des Arbeitsmarktes.“ Unter anderem berät das Gremium die Länder zur inhaltlichen Gestaltung der Hochschulen. Außer mir waren bei der Anhörung noch Vertreter von BASF und BMW. Die Professoren schienen etwas entsetzt zu sein, als die beiden unumwunden zugaben, dass Bachelor-Absolventen von Universitäten bei ihnen keine Chancen haben. Es sei denn, es sind Absolventen eines dualen Studiums, im Rahmen dessen die Studierenden immer wieder ins Unternehmen kommen, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Auch Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen werden gegenüber den Bachelor-Studenten von den Unis bevorzugt.

Mich hat das nicht überrascht. Die Bologna-Reform ist ziemlicher Murks gewesen. Deswegen kann man meiner Meinung nach den Studierenden nicht wirklich vorwerfen, dass sie zu wenig Persönlichkeit und Praxiserfahrungen mitbringen. Die Strukturen der Hochschulen begünstigen eine solche Entwicklung. Aber auch die Unternehmen tun zu wenig. Sie müssen ihrer Verantwortung hinsichtlich der Employability der Studierenden und Absolventen ebenfalls viel stärker nachkommen. Jedenfalls ist es ungerecht, wenn ständig auf den jungen Leuten herumgehackt wird, sie hätten zu wenig Persönlichkeit und wären nicht arbeitsmarkttauglich. Auf Spiegel Online habe ich dazu einen Meinungsbeitrag veröffentlicht.

Schluss mit dem Konzern-Mief

Freedom

Der Anstieg der Zahl der Solo-Selbstständigen hat in den letzten Tagen Schlagzeilen gemacht. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die Zahl der Alleinunternehmer im vergangenen Jahrzehnt um 40 Prozent gestiegen.

Auch wenn der Schritt in die Selbstständigkeit bei vielen aus der Not geboren ist, lohnt es sich dennoch auf ein Motiv zahlreicher Betroffenen zu gucken, das bislang noch zu wenig Berücksichtigung findet.

Denn mehr denn je ist bei Angestellten ein Überdruss hinsichtlich der bestehenden Kultur ihrer Unternehmen festzutellen. Gemeint ist hier an dieser Stelle gerade nicht die Generation Y. Sondern ich spreche hier vor allem von Managern, Führungskräften jenseits der 40, die nach zehn bis 20 Jahren in großen Unternehmen genug haben – genug von unsinnigen Meetings, wenig Gestaltungsspielraum, ständigen Reportings, zu wenig Spaß. Ich habe in letzter Zeit mit einigen Managern gesprochen, und bei vielen ist entweder der Frust oder der Wunsch nach mehr Freiheit groß oder beides. Für sie ist klar, dass sie sich (oder zusammen mit Bekannten) selbstständig machen oder in ein Start-up-Umfeld reingehen.

Der Managementberater Reinhard Sprenger sagt im aktuellen Human Resources Manager: „Der Mensch ist ein Freiheitswesen und an seiner Freiheit kommen Sie nicht vorbei.“ Er bezieht es vor allem auf das Thema Führung. Doch genauso kann man es auf die zahlreichen Restriktionen anwenden, die vielen offiziellen und inoffiziellen Vorschriften, die in einem Konzern vorherrschen.

Bei den angesprochenen Managern geht es gar nicht so sehr darum, selbstständig zu sein, es geht darum, wieder mehr Luft zum atmen zu bekommen, wirklich etwas zu bewegen, das eigene Wirken im Ergebnis zu sehen, ohne dass es durch zahlreiche Abstimmungsschleifen gegangen und am Ende nicht wieder zu erkennen ist. Und ohne, dass ständig jemand hinter einem steht und „Leistung“ brüllt. Denn das soll ja neben den ganzen Reportings auch noch abgeliefert werden: Leistung. Immer mehr Unternehmen sprechen von einer „Leistungskultur“, die bei ihnen herrschen solle. Sollte Leistung nicht selbstverständlich sein? Der Begriff der Leistungskultur wird von vielen Personalverantwortlichen vor sich her getragen, als sei man sich nicht sicher, ob die eigenen Mitarbeiter bereit dazu sind. Deshalb muss es betont werden.

Wir brauchen nicht über die Generation Y sprechen. Die Bedürfnisse der heute 40-Jährigen sind ähnlich. Über die Generation Y wird immer gesagt, sie sei besonders leistungsbereit, wolle viel Freiraum und bestehe auf direktes Feedback. Das klingt sicherlich auch für 40-Jährige nicht schlecht.

(Foto: sacrifice_87)

 

Das Ende des Schreibtisches im Büro

Wie wir arbeiten, wo wir arbeiten – all das ist im Wandel. Und dieser Wandel wird getrieben von den technologischen Möglichkeiten: Home Office und das mobile Arbeiten werden mehr und mehr akzeptiert.

Die Arbeit emanzipiert sich vom Arbeitsplatz. Das gilt natürlich in erster Linie für Wissensarbeiter. Wer mit dieser Freiheit umgehen kann, ist klar im Vorteil. Die Entwicklung, so die Experten, wird auch von der neuen Generation, der Generation Y, gewollt. „Sie lassen sich nicht an die Schreibtische ketten“, wie der Publizist Tim Cole sagt.

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Die Frage ist, was bedeutet das langfristig für die Arbeitsverhältnisse, wenn die Arbeitgeber weniger Kontrolle ausüben und mehr vertrauen müssen, wenn nur das Ergebnis zählt? Stirbt irgendwann das Normalarbeitsverhältnis, die feste Anstellung aus?

Ich glaube nicht, dass die Unternehmen, solch ein Outsourcing für ihre wichtigsten Mitarbeiter anstreben. Weil Menschen und deren Wissen und Können eben die entscheidenden Ressourcen sind für den Unternehmenserfolg und die, so sagen es die Prognosen, werden in Zukunft aufgrund des demografischen Wandels knapp. Da will man möglichst viel Einfluss behalten. Aber auch wenn Firmen durchaus ihre Flexibilität vergrößern wollen, ist vielmehr die entscheidende Frage: Was wollen die richtig guten Mitarbeiter? Mehr Freiheit? Raus aus dem hierarchischen Turm? Wahrscheinlich nur, wenn die Karriere stockt oder man generell keine Lust hat, sich einbinden zu lassen.

Wenn wir ein Volk von Freien werden, was Cole für möglich hält, dann ist das sicherlich auch nicht für jeden Wissensarbeiter eine begrüßenswerte Entwicklung. Denn wer sich selbst nicht schützen kann, vor der eigenen Ausbeutung oder einem harten Konkurrenzkampf, der kann dann auch nicht mehr den möglichen Schutz eines Vorgesetzten in Anspruch nehmen.

Ich bin mir aber sicher, dass Arbeit flexibler wird und die Menschen das einfordern werden, unabhängiger zu sein, von Ort und Zeit.  Es sind spannende Zeiten.