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Scheitern nicht gelernt

Monster High: Spectra

Der Bologna-Prozess hat die Studienzeiten verkürzt, so wie es die Wirtschaft gefordert hat. Und in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels haben überdurchschnittlich qualifizierte Absolventen und Berufseinsteiger ausgezeichnete Karriereaussichten. So ist es überall zu lesen. Qualifikation bezieht sich im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch erstmal nur nur auf diejenigen, die sich leicht im Lebenslauf erkennen lassen. Sozialen Kompetenzen bzw. Inkompetenzen sind meistens schwerer zu erkennen. Das braucht ein bisschen Zeit.

Nun hat die Beratung Kienbaum eine Studie veröffentlicht, in der davon die Rede ist, dass man auch scheitern kann, wenn man ein High Potential ist. Das ist zumindest die Erfahrung vieler Personalchefs.  Gründe hierfür sind aus Sicht der HR-Leiter vor allem mangelnde Soft Skills: Scheitert ein deutscher High Potential, liegt dies in 94 Prozent der Fälle an seiner Selbstüberschätzung und zu 89 Prozent an der mangelnden Fähigkeit zur Selbstkritik.

Die Defizite in der Persönlichkeit führen die Berater unter anderem auf die Bologna-Reform zurück, die es den Studierenden erschwert, wichtige Erfahrungen zu machen. So sagt Erik Bethkenhagen im Interview mit dem manager-magazin:

Das gilt vor allem im persönlichen Bereich. Scheitern als Prozess des Hinfallens, aber auch des Wiederaufstehens und Weitergehens wird von den ganz Jungen so kaum erlebt und damit auch nicht gelernt. Bei dem ein oder anderen Absolventen mit Glanznoten hat man dann den Eindruck, er sei zu arrogant zum Scheitern. Hinzu kommt, dass die Unternehmen gerade ihrem Führungsnachwuchs bereits goldene Brücken bauen, um sich das Talent auch ja zu sichern.

Einige Unternehmen haben aber erkannt, dass es wichtig ist, dass der Nachwuchs Erfahrungen macht, die manchmal Zeit kosten, die das Studium vielleicht verlängern, die aber den Horizont erweitern und somit die Persönlichkeit stärken.

So bieten zum Beispiel vier große Unternehmen ein gemeinsames Praktikumsprogramm an, das Gap Year. Besonders interessant: Es sieht ausdrücklich Monate vor, in denen die jungen Leute eine Weltreise machen, sich sozial engagieren und ähnliches.

Es lohnt sich, auch mal nicht der Schnellste zu sein – auch, wenn es um die Karriere geht.