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Robindro Ullah hat in seinem Blog neulich ein spannendes Thema diskutiert. Es ging um Employability, also die Fähigkeit einer Person eine Beschäftigung zu finden bzw. in Beschäftigung zu bleiben, weil sie eben lebenslang „arbeitsmarktfit“ ist. Die Basis dieser Arbeitsmarktfitness ist die Gesundheit des Beschäftigten. Doch vor allem geht es darum, dass dieser in der Lage ist, diejenigen Kompetenzen zu entwickeln, die es ihm ermöglichen, sich immer wieder auf veränderte Bedingungen im Job und auf dem Arbeitsmarkt einzustellen. Der Begriff ist so neu nicht. Gerade in bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Debatten wurde schon häufig die Frage gestellt, wie man Arbeitslose arbeitsmarktfähig bekommt. Und das Institut der bekannten Personalforscherin Jutta Rump trägt den Begriff Employability sogar im Namen. Im Harvard Business Manager von 2007 kann man lesen, dass der Begriff Mitte der 90er Jahre nach Deutschland gekommen ist.

Das Thema wird uns noch sehr beschäftigen

Employability ist kein neues Phänomen, aber es wird uns sicherlich in der Zukunft noch mehr beschäftigen und bei dem Thema geht es mitnichten nur um Arbeitslose. Auch für Beschäftigte wird der Druck größer mit veränderten Anforderungen, die der Job verlangt, Schritt zu halten. Nehmen wir den Publishing-Bereich, in dem ich arbeite. Vor einigen Jahren habe ich für eine Tageszeitung gearbeitet (aus Papier!). Heute arbeite ich auch viel online. Social Media wird für Journalisten immer wichtiger und der digitale Wandel hört einfach nicht auf. Selbst Videos aufzunehmen und schneiden zu können, wird zum Beispiel bald zum Standard-Repertoire eines Journalisten gehören. Und wohl auch das Programmieren. Der Verleger Hubert Burda sagte im Februar über angehende Journalisten: „Wer heute 20 Jahre alt ist und keinen Algorithmus schreiben kann, wird es künftig schwer haben.“ Also einfach nur schön schreiben und gut recherchieren, das war gestern. Jetzt geht es in Richtung Eierlegende Wollmilchsau.

Aber wer soll sich um die Employability des Beschäftigten zuvorderst kümmern, wer schiebt ihn oder sie an in Richtung Wollmilchsau? Der Staat? Das Unternehmen? Der Einzelne selbst?

Robindro Ullah betont völlig zurecht, dass der unbefristete Arbeitsvertrag an Wert verliert. Die Unsicherheiten sind größer geworden. Die Loyalität hat auf beiden Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – abgenommen. Arbeitsmärkte sind dynamischer geworden, junge Leute wollen unterschiedliche Erfahrungen machen und die Unternehmen sind gezwungen sich stetig zu wandeln, vielleicht sogar das Geschäftsmodell in Frage zu stellen. Da es also keine lebenslangen Versprechungen mehr gibt, könnte Employability ein neues Beschäftigungssicherungskonzept sein. Beide Seiten einigen sich darauf, in die Beschäftigungsfähigkeit des Mitarbeiters zu investieren. Weiterbildungen und Aufgabenerweiterungen zum Beispiel werden also auch mit dem Ziel der verbesserten Employabilty angestrebt. Das Unternehmen und der Einzelne haben beide etwas davon.

Der einzelne Mitarbeiter ist es allerdings, der seine Arbeitsmarktfähigkeit immer im Blick haben muss. Was passiert gerade in meinem Berufsfeld? Welche Kompetenzen fehlen mir? Wo müsste ich mich weiterentwickeln? Die Verantwortung liegt also erst einmal bei ihm selbst. Auf das Unternehmen darf er sich nicht verlassen. Im Zweifel sollte er oder sie auch besser wissen als der Arbeitgeber, was in seinem Metier passiert.

Wichtig sind Neugierde und eine unternehmerische Einstellung 

Wobei das Wichtigste hinsichtlich der Employability kein Fachwissen ist, sondern vor allem die Fähigkeit zu lernen und die Offenheit für Neues und Veränderung. Hinzu kommt die Fähigkeit, sich und seine Kompetenzen darstellen zu können, vielleicht sogar zu vermarkten. Zumindest muss man heute sichtbar sein. „Employability lässt sich nicht allein durch fachliche Weiterbildung erhalten. Viel wichtiger als der erlernte Beruf sind soziale Schlüsselkompetenzen und die richtige, das heißt eine quasi unternehmerische Einstellung zum Arbeitsmarkt“, heißt es im Harvard Business Manager.

Das Thema Beschäftigungsfähigkeit ist deshalb insbesondere ein gesellschaftliches und eine angemessene Debatte dazu hat meines Erachtens noch gar nicht stattgefunden. Beschäftigte als Unternehmer in eigener Sache – ein solches Bild ist in unserer Gesellschaft immer noch eine Revolution.  Eine solche Entwicklung entlässt die Arbeitnehmer in die Mündigkeit, gibt ihnen ein Mehr an Freiheit. Sie erlaubt aber auch keine Bequemlichkeit und kann für manche einen ganz schönen Druck bedeuten.

Man muss klar sagen: Diese Entwicklung wird die Spaltung des Arbeitsmarktes weiter vorantreiben. Denn die zunehmende Flexibilität, die von den Beschäftigten verlangt wird, wird einige schlicht überfordern. Hier sehe ich auch eine soziale Verantwortung bei den Unternehmen, sich zu kümmern und die Beschäftigten zu unterstützen, employable zu werden, sie zu befähigen zum Beispiel projektbezogen und netzwerkartig zu arbeiten – und Unternehmer in eigener Sache zu werden. Das kann auch dem Arbeitgeber helfen. Schließlich ist der Mitarbeiter ebenfalls Markenbotschafter des Unternehmens. Robindro Ullah ist dafür ja das beste Beispiel. Ich jedenfalls kenne den Namen Voith erst seit er von der Deutschen Bahn nach Heidenheim(!) gewechselt ist.

Literaturhinweise zum Thema gibt es unter anderem auf der Informationsplattform des IAB.

 

Arbeiten an der eigenen Marke

Die Arbeitswelt ist rasanter geworden. Heute finden Jobwechsel schneller statt. Deshalb sollte man immer – auch wenn man einen unbefristeten Job  hat – den Arbeitsmarkt immer im Blick haben. Denn wenn Unternehmen sich wandeln müssen, ein neuer Vorgesetzter kommt, kann es mit der Trennung relativ schnell gehen, auch wenn man eigentlich ganz gute Leistung zeigt. Deshalb gilt: Vorbereitet sein. Wenn der Jobverlust droht, sollte nicht das große Erwachen kommen, weil man merkt, dass man sich vom Arbeitsmarkt und seinen Anforderungen wegentwickelt hat.

Es geht also darum, sich selbst zu fragen: Welche Kompetenzen brauche ich? Womit kann ich mich profilieren? Was könnte gefragt sein?

Erfolgreich ist der, der einerseits versteht, kreativ zu handeln und andererseits, sich bewusst zu profilieren.

Das schrieb die Karriereberaterin Svenja Hofert vor Kurzem auf ihrem Blog und führte daran im Anschluss ein interessantes Interview mit dem Autor Jürgen Salenbacher über Creative Personal Branding.

In der Welt, in der wir leben werden, wird sich jeder selbst steuern müssen und dazu gehört auch das Denken an die eigene Vermarktung und die Weiterentwicklung der klar definierten eigenen Produkte und Services. Design spielt dabei eine große Rolle, vor allem authentisches Design. Die Personenmarke – und mehr und mehr wird jeder Mensch eine Marke werden – muss aussehen, wie sie ist und viel wichtiger, halten, was sie verspricht.

Wir alle sind oder werden also Marken. Und wenn wir selbstständig arbeiten, wird dies umso wichtiger. Das eigene Branding beginnt nach den Worten Salenbachers mit der Frage: Was kann ich besser als andere? Wo bin ich überdurchschnittlich? Das solle man weiterentwickeln. Und wenn man nirgendwo so richtig gut ist, sollte man anfangen, irgendwo richtig gut zu werden. Das gilt auch für (noch) festangestellte Arbeitnehmer. Denn, so sagt der Experte, die Zukunft gehöre definitiv nicht jenen, die von allen ein bisschen verstehen.

Das dürfte vielen Schwierigkeiten machen. Ich denke da zum Beispiel an Journalisten, die häufig von allem ein bisschen können. Und das, was sie richtig gut können, nämlich Kompliziertes verständlich aufzuschreiben, können auch eine Menge andere Journalisten. Und ständig die eigene Marke im Blick zu haben, statt einfach nur zur Arbeit zu gehen und seinen Dienst zu verrichten, ist definitiv ebenfalls anstrengender.

Der Mann, der selbst die stärkste zweibeinige Marke ist, Sascha Lobo, mag nicht vom Branding reden, sondern davon, dass man glaubhaft kommunizieren sollte, dass man sich für ein bestimmtes Thema interessiert und in einzelnen Bereichen spezialisiert ist. Und das funktioniert Lobos Meinung nach am besten über das Blog.