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Getrieben und wütend

Work Life Balance?

Heute habe ich die neue Ausgabe des Magazins enorm angefangen zu lesen. Natürlich wegen des Schwerpunktes: „Die modernen Sklaven“. Es geht darum, dass wir alle durch die Arbeit unter permanentem Druck stehen – sowohl die Hochqualifizierten, aber natürlich noch mehr die Geringverdiener. „Die Arbeit frisst uns auf“ ist der Tenor. Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil gebildet zu der Ausgabe. Das Thema ist hochspannend, schade, dass die Autoren solcher Artikel häufig als „Anwalt des kleinen Mannes“ auftreten. Schade deshalb, weil es die Regel unter Journalisten ist und nicht die Ausnahme. Doch die Botschaft des Haupttextes teile ich in jedem Fall: Nicht alles, was rechtlich möglich und erlaubt ist, ist auch moralisch in Ordnung.

Und das Aktuellste der Möglichkeiten sind Werkverträge, zumindest werden sie von mehr und mehr Unternehmen als Alternative zur Leiharbeit entdeckt. Für die Arbeitgeber haben sie in der Regel den Vorteil der geringeren Kosten, aber auch der größeren Flexibilität. Betroffen sind nicht nur die einfachen Tätigkeiten. So werden Entwicklungsaufgaben auch schon mal an freie Ingenieurbüros ausgelagert. Das ist in enorm zu lesen. Erwähnen muss man aber ebenfalls, dass zumindest unter den gut Qualifizierten einige gerne frei arbeiten und von Projekt zu Projekt wandern. Das hat mit einer veränderten Wahrnehmung des eigenen Lebens zu tun, veränderten Prioritäten im Vergleich zu früheren Generationen. Nicht alle fühlen sich ausgebeutet.

Ein kurzes Interview mit dem Soziologen Dieter Sauer hat mir sehr gut gefallen und mich zugleich etwas deprimiert. Beispielsweise sagt er:

Hierzulande überwiegt das, was wir in einer Studie „adressatenlose Wut“ genannt haben. Viele Beschäftigte erleben ihre Vorgesetzten ebenfalls als Getriebene, die den Finanzmarkt orientierten Zielvorgaben gegenüber genauso hilflos dastehen wie sie. Dazu kommt, dass vieles an Solidarität in den Betrieben durch die Individualisierung der Arbeitsprozesse zerstöt worden ist. Der Einzelne erlebt den zunehmenden Stress eher hilflos und richtet die Wut gegen sich selbst, weil er sich für das Scheitern an den überhöhten Zielen mitverantwortlich macht.

Alle sind wir Getriebene…

Enorm ist jedem Fall ein gut gemachtes Magazin. Vor allem, wenn man bedenkt, wie bescheiden die Ressourcen sind. Und solch ein Magazin braucht es.

Foto: CWA Union