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Keiner will die Bachelor-Absolventen

Das Thema Jobfitness bei Hochschulabsolventen beschäftigt mich gerade sehr. Vergangene Woche war ich als Sachverständiger vor dem Wissenschaftsrat geladen. Es ging um den „Kompetenzerwerb im Hochschulstudium und die Qualifikationsanforderungen des Arbeitsmarktes.“ Unter anderem berät das Gremium die Länder zur inhaltlichen Gestaltung der Hochschulen. Außer mir waren bei der Anhörung noch Vertreter von BASF und BMW. Die Professoren schienen etwas entsetzt zu sein, als die beiden unumwunden zugaben, dass Bachelor-Absolventen von Universitäten bei ihnen keine Chancen haben. Es sei denn, es sind Absolventen eines dualen Studiums, im Rahmen dessen die Studierenden immer wieder ins Unternehmen kommen, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Auch Bachelor-Absolventen von Fachhochschulen werden gegenüber den Bachelor-Studenten von den Unis bevorzugt.

Mich hat das nicht überrascht. Die Bologna-Reform ist ziemlicher Murks gewesen. Deswegen kann man meiner Meinung nach den Studierenden nicht wirklich vorwerfen, dass sie zu wenig Persönlichkeit und Praxiserfahrungen mitbringen. Die Strukturen der Hochschulen begünstigen eine solche Entwicklung. Aber auch die Unternehmen tun zu wenig. Sie müssen ihrer Verantwortung hinsichtlich der Employability der Studierenden und Absolventen ebenfalls viel stärker nachkommen. Jedenfalls ist es ungerecht, wenn ständig auf den jungen Leuten herumgehackt wird, sie hätten zu wenig Persönlichkeit und wären nicht arbeitsmarkttauglich. Auf Spiegel Online habe ich dazu einen Meinungsbeitrag veröffentlicht.